MYRA

 Das_Treffen_in_der_Ratskammer

Das Treffen in der Ratskammer

Schweren Mutes trafen die Stammesfürsten, die Rumondr zu sich in das Ratshaus des Zirkels der Bewahrer des Wissens geladen hatten, an diesem kalten Ssakat-Dendagø in Køstalengard ein. Der friedliche Anblick, den das verschneite Køstalengard bot, täuschte. Gerüchte waren im Umlauf, Gerüchte über die Ergebnisse der Verhandlungen zwischen dem Hochkönig, dem König der Odenen und der Gesandtschaft Høgnar Kris. Es hieß, die Waldvölker seien nun geeint, der Machairische Bund sei geschaffen, doch munkelte man, daß Krieg anstehen würde. Seit einiger Zeit war Frieden im Machairas eingekehrt, doch dieser Frieden wird jetzt bedroht von einer Gefahr, deren Urheber nicht menschlicher Art sind.

Rumondr erwartete die hohe Gesellschaft bereits im großen Saal des Ratshauses. Als die Fürsten eintraten, sahen sie ihn auf seinem Thron sitzen, das Gesicht in einer sorgenvollen, aber entschlossenen Miene. Er lehnte seine Hände auf seiner mächtigen, schwarzen Streitaxt, die Ungutes verhieß. Ungutes für die, die ihn, das Reich der Køstalen und deren Verbündete bedrohte. Um ihn herum saßen die Bewahrer des Wissens mit gespannten Gesichtern, Hochstaluat Leif von Aswall zu seiner Rechten. Seine tiefe Stimme dröhnte durch den Raum, als er sagte: "Saluton, euch edlen Fürsten dieses Landes. Ich habe euch zu mir rufen lassen, um euch meine Entscheidung mitzuteilen. Doch zuerst heiße ich euch Willkommen in Køstalengard. Nehmt Platz und stärkt euch mit einem Schluck Ssakatmet." Auf diese Worte öffneten sich die Türen des Saales und mehrere Diener brachten einen großen Kessel mit heißem Ssakatmet herein. Sie füllten mehrere Hörner damit und reichten sie den Fürsten und Staluat. Das erste bekam Rumondr selbst und nach m war Hochstaluat Leif an der Reihe. Als nächstes kam Snävar, Fürst des Stammes Reutilø, nach ihm Eirek, Fürst der Mattizø, dann Rögnvald, Fürst der Nandø, Aslaug, Fürstin der Tutilø und als letzte Hljod, Fürstin der Sapidø.

Nach einer Weile des Schweigens erhob Rumondr wieder das Wort: "Nun, bevor ich fortfahren werde, wird euch Leif erst einmal einen Überblick über das Geschehene geben." Leise, mit ruhiger Stimme, fing Leif an zu sprechen: "Nun, wie ihr alle wißt, haben Rumondr und ich uns im letzten Mond mit den Herrschern der anderen Waldvölker getroffen. Wir haben uns beraten über die Schließung des "Machairischen Bundes", der nach langen Gesprächen letztendlich auch zustande gekommen ist. Es herrscht nun Frieden zwischen den Völkern des Waldes. Die Odenen und die Krimisten haben einer Allianz mit uns zugestimmt, den nur geeint sind wir mächtig genug, uns der drohenden Gefahr entgegen zu stellen. Diese Gefahr geht von den alten Echsen Drakons aus, die bereits das Reich der Hochländer überrannt haben. Nun stehen sie vor den Wäldern der Krimisten. Durch das Gold, das sie auf diesem unheilbringendem Feldzug gegen die Menschen gestohlen haben, sind sie mächtiger als je zuvor. Die Herrscher der Waldvölker sind sich einig, da&szlsie um jeden Preis aufgehalten werden müssen."

Und wieder trat ein Schweigen ein, den jeder der Fürsten dachte über das nach, was Leif gesagt hatte, und über die Konsequenzen dieses Beschlusses.

Dann beendete Rumondr das Schweigen, indem er fortfuhr: "Ich werde im nächsten Mond mit einigen tausend Mann aufbrechen, um mit Høgnar Kris und Ælfwine die Drachen zu bekämpfen und die Hochlande wieder aus den Klauen des Dragonwright zu befreien. Ich weiß, dies wird kein leichtes Unterfangen sein, und viele eurer Männer werden dabei sterben. Deshalb möchte ich euch fragen, ob ihr bereit seit, dieses Opfer zu bringen und mich in dieser Sache zu unterstützen. Doch bevor ihr euch entscheidet, bedenkt, wenn die Drachen nicht aufgehalten werden, werden noch mehr Menschen sterben müssen, und unser Volk wird unter der Tyrannei der Drachen keinen Grund mehr zum Lachen haben. Viele werden dann ihrer Freiheit beraubt und als Sklaven der Drachen die Tempel unserer Götter abreißen müssen, um Tempel der Drachen zu errichten. Man wird dann an diese Stunde zurückdenken, wird sich fragen, warum ihr nichts getan habt für euer Volk, das euch so sehr vertraute und an euch glaubte? Warum waren sie nicht Grimø gefällig und erhebn die Axt gegen die Drachen, diese menschenverachtenden, schrecklichen Wesen, unter denen keine Freude mehr erlaubt ist? Nun, trefft eure Entscheidung, eure und die der Zukunft des køstalischen Volkes!"

Nun herrschte Aufruhr unter den Reihen der Fürsten. Sie sprachen aufgeregt miteinander und berieten, was nun zu tun sei. Nach einer Weile kehrte wieder Ruhe in die Versammlung ein. Snävar begann zu sprechen: "Rumondr, wir haben uns entschieden. Wir stehen hinter dir und werden dir bei deinem Kampf gegen Drakon helfen. Noch in den nächsten Tagen werden wir unser Land für den Krieg vorbereiten."

Auf Rumondr Gesicht spiegelten sich Erleichterung und Freude wieder. Donnernd hallte seine Stimme durch den Raum, als er rief: "Auf gegen Drakon, für Grimø und sein würdiges Volk!"